Stadtkirche St. Dionysius

Stadtkirche Böblingen

Der Böblinger Schlossberg ist seit vielen hundert Jahren auch ein spiritueller Ort. Die heutige Stadtkirche geht auf das 13. Jahrhundert zurück, hatte wohl aber mehrere Vorgängerbauten. Im Lauf der Jahrhunderte wurde sie verändert und vergrößert, bis sie bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde.
1983 fand die letzte große Renovierung statt.
Die beeindruckenden Chorfenster hat der bekannte Vitralist Hans Gottfried von Stockhausen geschaffen.
Das links neben dem Chor aufgehängte Kruzifix ist von Ernst Yelin und stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Ein besonderes Ausstattungsstück ist der ehemalige Turmhahn.
1993 erhielt die Stadtkirche eine neue Orgel aus der Werkstatt von Claudius Winterhalter.
Im Jahr 2003, zur 750-Jahr-Feier der Stadt Böblingen, erhielt die Stadtkirche eine fünfte Glocke.

  • add Geschichte der Stadtkirche

    Die evangelische Stadtkirche St. Dionysius bildet den östlichen Abschluss des Tübinger Marktplatzes, der noch Reste mittelalterlicher Bebauung aufweist.

    Die Kirche in Böblingen ist vermutlich gegen Ende des 1. Jahrtausends entstanden und war wohl noch eine Filialkirche der Martinskirche in Sindelfingen. 1261 wurde erstmals ein Pfarrer an der Marienkirche außerhalb der Stadt erwähnt, um 1275 taucht ein Böblinger Kirchherr in einer Urkunde auf. 1419 erhob man die Schlosskapelle in Böblingen zur Pfarrkirche St. Dionysius, 1468 wurde die Kirche dem Kloster Hirsau im Nordschwarzwald inkorporiert.

    Nach der Reformation kam die Kirche an Württemberg und wurde Sitz eines Dekanats.

    In der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943 wurde Böblingen schwer bombardiert. Der Fliegerangriff legte die Stadtkirche in Schutt und Asche. Nach dem Krieg begann die Böblinger Bürgerschaft bereits 1949 mit dem Wiederaufbau und konnte am 17. Dezember 1950 die festliche Einweihung ihrer „neuen“ Kirche feiern.

  • add Bausachen

    Die Stadtkirche hatte mehrere Vorgängerkirchen, deren Spuren anlässlich der letzten großen Renovierung 1983 im Fußboden des Kirchenschiffs und im Chorraum gefunden wurden.

    Der älteste Teil der heutigen Kirche ist der untere Teil des Kirchturms aus Keupersandstein, der zwischen 1200 und 1250 entstanden ist und Teil der Schlosskapelle war.

    Um 1340 wurde der Chor erbaut und das Langhaus verbreitert und erhöht. In den nächsten Jahrhunderten wurde vor allem der Turmaufbau verändert und die Innenausstattung erneuert.

    Nach dem Bombenangriff 1943 standen von der Stadtkirche nur noch die Außenmauern, der Turm war eingestürzt und das Dach abgebrannt. Beim Wiederaufbau wurden in der gotisch anmutenden Saalkirche neue Emporen eingesetzt.

    1983 fand die letzte große Renovierung statt, bei der der Chorbogen aufgeweitet wurde.

  • add Turmgeschichten

    Die meisten baulichen Veränderungen erlebte der 49 Meter hohe Turm der Stadtkirche.

    Um 1550 wurde der Turmaufbau verändert, 1707 wurde der spätgotische Turm abgetragen und neu aufgebaut. Der Böblinger Werkmeister Michael Stahl jr. verpasste ihm ein drittes Stockwerk und die barocke Haube.

    Außerdem wurde ein hölzerner Turmumgang angebracht. Hier hielt der Stadtwächter Ausschau nach „Feind und Feuer“ und der Zinkenist spielte Choräle in alle Himmelsrichtungen. (Ein Zink ist ein Blechblasinstrument, das angeblich besonders gut die menschliche Stimme nachahmen konnte und das bis ins 19. Jahrhundert zum traditionellen Turmblasen verwendet wurde.) Bereits dreißig Jahre später hatte der Umgang jedoch wieder ausgedient.


  • add Ausstattung

    Ende des 19. Jahrhunderts leistete man sich drei neue Chorfenster des Münchener Glasmalers Gustav van Treeck und eine neue Orgel von dem Orgelbaumeister Weigle aus Echterdingen. Die Kanzel wurde erneuert und der Kunstmaler Wennagel aus Stuttgart gestaltete eine Kirchenbemalung.

    Anlässlich einer Renovierung im Jahr 1932 wurden wesentliche Teile dieser Ausstattung jedoch wieder rückgängig gemacht.

    Anlässlich der Renovierung 1983 tauschte man die Bänke gegen Stühle aus, erneuerte Altar und Kanzel und brach die Seitenemporen ab.

    Das links neben dem Chor aufgehängte Kruzifix soll im 16./17. Jahrhundert entstanden sein und kehrte nach der umfassenden Restaurierung 1984 in die Kirche zurück.

    Dem Bombenangriff 1943 fiel natürlich auch der Turmhahn zum Opfer. 2003 wurde er nach einer aufwändigen Restaurierung in einer Vitrine im Kirchenraum aufgestellt - als Sinnbild gegen Krieg und Gewalt und als Mahnung zum Frieden in der Welt.


  • add Chorfenster

    Die fünf farbigen Chorfenster hat der Glasmaler und Zeichner Prof. Hans Gottfried von Stockhausen geschaffen. Der Künstler thematisiert zentrale Aussagen des christlichen Glaubens: Die Bilder in den zweibahnigen Seitenfenstern spannen in 28 Motiven den Bogen von den zentralen Gleichnissen Jesu bis zu den Werken der Barmherzigkeit. Die mittleren, dreibahnigen Fenster zeigen 12 Szenen aus dem Leben Jesu, neun davon aus der Passionsgeschichte. Stockhausen sagt selbst über sein Werk: „Ich habe meine Aufgabe erfüllt, wenn es mir gelingt, mit den Glasfenstern zur Meditation und Nachdenklichkeit anzuregen.“

    Hans Gottfried von Stockhausen war von 1971 bis 1986 Professor für Glasmalerei und Mosaik an der Stuttgarter Hochschule für Bildende Künste und hat über 500 Kirchenfenster und architekturgebundene Arbeiten geschaffen.

    Dass Stockhausen und seine südwestdeutschen KollegInnen wie z.B. Rudolf Yelin, Wilhelm Geyer oder Ida Kerkovius solch eine herausragende Glaskunst gestalten konnten, die den Kirchenbau in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend prägt, liegt nicht zuletzt an der kongenialen Arbeit der Stuttgarter Glaswerkstätte Valentin Saile, die seit 1868 die perfekte Umsetzung der Werke besorgt.

  • add Die Orgel

    Die schöne Orgel der Stadtkirche wurde 1993 eingeweiht.

    Sie stammt aus der Werkstatt von Claudius Winterhalter aus Oberharmersbach.


    Das Orgelwerk hat 1195 Pfeifen und 33 Register auf drei Manualen und Pedal und entspricht der süddeutschen Klangtradition der Frühromantik.
    Das Gehäuse ist aus Wildkirsche mit Accessoires in Ebenholzoptik und Blattsilberhelmen.

  • add Die Glocken

    Bis 2003 verfügte die Stadtkirche über vier Glocken.

    Allerdings wurde schon beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg im Turm ein Platz für eine fünfte Glocke geschaffen. Das 750-jährige Stadtjubiläum und das Gedenken an die Zerstörung der Stadtkirche vor 60 Jahren waren Anlass, die geplante fünfte Glocke endlich zu gießen und einzubauen.

    Die neue Glocke trägt den Namen „Dominika“ und erinnert mit ihrer Inschrift an beide Gedenkanlässe:“Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“ (Psalm 118,7)

  • add Dionysius von Paris

    Die Stadtkirche Böblingen ist nach dem heiligen Dionysius benannt. Der heilige Dionysius lebte im 3. Jahrhundert, wurde von Rom nach Gallien in die Mission geschickt und war um 250 der erste Bischof von Paris, wo ihn der römische Statthalter verhaften und enthaupten ließ. Die Legende berichtet, Dionysius habe am Richtplatz von Montmartre sein abgeschlagenes Haupt aufgenommen, es in einer Quelle gewaschen und sei dann – buchstäblich mit dem Kopf unterm Arm – noch sechs Kilometer Richtung Norden zu der Stelle gegangen, an der er begraben werden wollte. Die dort 626 erbaute Basilika diente den französischen Königen als Grablege.

    Der heilige Dionysius – Saint Denis – gilt als Nationalheiliger Frankreichs und als einer der vierzehn Nothelfer.